2005-09-21

Tagesschau: Stoiber Zitat

König der Rhetorik
Ich sehe äää – – – ganz deutlich äää – – – dass eine Koalition – – – mit den Grünen äää – – – für mich nicht sichtbar ist.

2005-09-19

ARD zur Wahl 05

Soll man die Sendungen des ARD Hauptstadtstudios schauen, wenn man wissen will, wie es weiter geht? Übers Jahr schaue ich meistens ARD und ZDF, haben sie doch im Schnitt die seriösesten Sendungen. Wobei sich in dieser Wahlperiode beide keine Glanzleistungen erarbeitet haben. Bestes Beispiel das langweilige Fernsehduell, welches sich die beteiligten Medien selbst wieder schön geredet haben. Ich schließe mich gern Schröders Medien-Schelte an. Es sollte ein Wechsel herbei geredet, geschrieben und gesendet werden – was so nicht funktioniert hat. Das hat Schröder als solches klar erkannt. Denn bei allem Gerede, Geschreibe und Gesende rutscht die Quantität vor die Qualität. Wer das alles hört, liest und schaut, hat irgendwann »den Kanal voll«.

Ähnlich wie es den Politikern um die Macht geht, geht es den Medien um Auflagen und Einschaltquoten. Was an sich nicht falsch ist. Doch auf beiden Seiten scheint die Erkenntnis verloren gegangen zu sein, dass man nicht nach guten Zahlen zu streben braucht, wenn man durch Kompetenz glänzen kann. Nichts gibt ein klareres Signal als eine hohe qualitative Leistung verbunden mit einem glaubwürdigen Einsatz für die angekündigten Ziele. An dieser Stelle möchte auch ich mal Zahlen aus Umfragen bemühen, die die »Beliebtheit« der Politiker messen. Fischer hat diese Hitliste jahrelang angeführt, Schröder war meistens auf Platz 2. Kompetenz, Leistung, Glaubwürdigkeit werden in diesen Zahlen honoriert.

Gleiches gilt für die Wirtschaft. Das bessere Ansehen haben meist die Firmen und Konzerne, die sinnvolle und qualitativ hochwertige Produkte liefern und dabei kein überzogenes Wachstum anstreben. Aktuelles Gegenbeispiel: Wieviele Kunden interessiert es schon, dass die Deutsche Post mit der Übernahme der englischen Exel zum weltgrößten Logistiker aufsteigt?

Aber zurück zur Eingangsfrage. Wenn man erfahren will, wie es weitergeht mit der Regierungsbildung, kann man die ARD schauen. Man kann aber auch spätestens nach 2 Stunden abschalten. Denn spätestens dann merkt man, dass derselbe Brei mehrmals herumgerührt wird. Sicher ist das bei Live-Sendungen nicht ganz einfach, dennoch könnte man in der Programmgestaltung den Schwerpunkt auf die Qualität der Berichterstattung legen und nicht auf die Quantität. Ich hab abgeschaltet und schau heut abend erst wieder die Tagesschau.

2005-09-18

Klatsche zur Wahl 05

Klatsche? Wulff sagt Schröder habe eine bekommen, Steinbrück sagt Merkel habe eine bekommen (soeben bei Christiansen). Eine Klatsche bekommen hat wenig mit klatschen zu tun. Dennoch haben sich alle fleißig selbst beklatscht über die Ergebnisse der heutigen Bundestagswahl. Man kann auch sagen, »einen an der Klatsche haben«, was dann wieder was ganz anderes bedeuten würde.

So ging es doch jetzt den lieben langen Wahlkampf hindurch (nein, er war ja kurz und auch nicht lieb, eher leidig): Schön reden und Zahlen jonglieren. Und nun geht es grad so weiter. Es ist schlicht KEIN klares Ergebnis. Für mich sagt das Ergebnis aus, dass sich der Souverän, das Volk um eine klare Entscheidung gedrückt hat und nun den Politikern den Schwarzen Peter zuschiebt. Und egal was sich nun aus den Koalitionsverhandlungen ergibt, es wird wieder vehement kritisiert und gleichzeitig energisch schön geredet werden. Sagt eigentlich irgendjemand dieser Figuren (egal ob in der Politik oder in den Medien) wirklich was er/sie denkt oder fühlt? Bei mir kommt das nicht so an. Ich kann keinem mehr ernsthaft glauben. Das wird dann gern noch bestätigt durch Diskussionrunden, in denen jeder jedem vorwirft, die Unwahrheit zu sagen. Wie oft war zu hören: »Bei allem Respekt, aber was Sie sagen ist falsch. Nach meiner festen Überzeugung ... etc. blabla ...«?

Toll fand ich, als Schröder sagte, dass trotz der Medien- und Meinungsmache (-umfrage) das Volk »anders« entschieden habe. Daraufhin zeigten sich die Moderatoren im Hauptstadtstudio der ARD sichtlich angegriffen, wodurch es in der Elefantenrunde einiges Gezanke gab. Ähnlich geht es bei meinem 7-jährigen Sohn im Kinderhort zu. Er (mein Sohn) meinte übrigens heute, er wolle auch wählen gehen ... »Kinder an die Macht«! (sang schon Herbert Grönemeyer)

Und nun? Wird erst mal fleißig weiter analysiert und spekuliert, wieder werden Zahlen »anders« interpretiert und auf bunte Balken verteilt. Seufz. Ich mag nimmer. Also wenn ich »König von Deutschland wär«!?! ... Aber das führte hier zu weit ...

Auf welcher Seite ich stehe? Ich habe einmal taktisch gewählt und die Erststimme auf Rot gesetzt. Und dann mit Herz den Grünen die Zweite gegeben. Es hat ein bißchen geholfen. Doch zum Schluß helfe sich jeder selbst ...

2005-09-16

Saab 9-3 SportCombi

Flott unterwegs
Die Firma Saab wurde 1937 gegründet. Zur Herstellung von Militärflugzeugen. Knapp 70 Jahre später sehe ich (heute kurz vor der Tagesschau) einen Werbespot über o.g. Fahrzeugmodell. In dem Spot sieht man Szenen in Städten und Landschaften, wo Menschen und Tiere den Kopf heben, weil sie ein Geräusch von einem Düsenjet hören. Sie heben den Kopf in die Luft, aber da ist nichts zu sehen. Statt dessen rauscht ein Saab Combi die Straßen entlang. Hm. Meine Assoziationen waren: 11. September. Bombenabwürfe. Raketenabschüsse. ... Ob das von der produzierenden Werbeagentur beabsichtigt war? Auffallen um jeden Preis? Eigentlich hatte Saab in meinen Augen bisher das recht gute Image eines soliden und extravaganten Automobilbauers. Das hat sich nun geändert. Danke fürs Augen öffnen.

Flott unterwegs
Achje – und weil ich doch (bei anderen) so schnell auf Schreibfehler stosse: Das Wort »Setzten« ist hier wohl fälschlicherweise in der Vergangenheit gelandet. Gruß an den Lektor. Trotzdem hab ich mir mal die Webseiten angeschaut. Aber dieses »interaktive« Intro ist ja sooo banal geraten, die Rätsel und Aufgaben sooo leicht zu lösen. Steckt dahinter die Einschätzung des Intelligenz- Quotienten der typischen Saab Fahrer? Soweit ich Saab Fahrer persönliche kenne, sind sie geradezu hochintelligent. Legt den Schluss nahe, dass mit der Konzeption dieser Kampagne ganz neue Zielgruppen erschlossen werden sollen.

2005-09-14

SUGAR T-Shirt

Lecker Zucker
Christoph Sonntag hat eins? Wolfgang Schuster gleich mehrere?? Und DU noch keines??? Dann wirds aber Zeit!!! :-) ... Danke an Johannes Zeller - klasse Idee, klasse Umsetzung - wünsche viel Erfolg! (Artikel aus STZ Ausgabe 212 vom 13.09.05)

2005-09-13

Jugendhausclub Degerloch

der Artikel im Original
Der Provinzposse wievielter Teil? Nun mußten laut Stuttgarter Zeitung (Ausgabe 211 vom 12.09.2005, Seite 21) 30 Tonnen Unrat entsorgt werden. Dreißig Tonnen. Also dreißigtausend Kilogramm, »... darunter 14 Kühlschränke und etliche schwere Türen«. Ein durchschnittlicher Komfortkühlschrank wiegt 45 kg. Macht 630 kg. Dann wogen die Türen zusammen 29.370 kg? Kopfschütteln. Das kann nicht sein, denke ich. Also muss jede Menge anderes schweres Gerümpel herumgestanden haben. Wenn je Quadratmeter 200 kg stehen würden, wären insgesamt 150 qm vollgestellt gewesen. Das muss man sich mal bildlich vorstellen: Stahlträger, Tresore, Baumstämme, Steinquader, Betonpfosten – all so Sachen müssen da gestapelt worden sein. Aber Christian Klenk (der Autor des Artikels) hat sich das sicher nicht vorgestellt, sondern einfach irgendwo aufgeschnappt oder abgeschrieben – auf jeden Fall nicht hinterfragt. Einigermaßen realistisch wären vielleicht noch 30 Kubikmeter Sperrmüll. Doch dass die Entsorgung geschätzte 35.000 Euro kosten sollen, bleibt gleichsam schleierhaft.

Nächster Kopfschüttelanlass: 800 Euro soll ein »schwarzer Sheriff«, also ein Einmannwachdienst, täglich gekostet haben. Sauberes Honorar. Für das Geld würde so mancher Arbeitsuchender gern mal ein paar Tage grundlos in der Gegend rumstehen. Ein regelrechtes Sonderangebot sind da im Vergleich die 150 Polizisten, die Ende Juli das Gebäude gestürmt haben. Der finanzielle Aufwand dieser Aktion (zulasten des Steuerzahlers) wird auf zwischen 10 und 20 Tausend Euro geschätzt – bei 15.000 also umgerechnet nur 100 Euro pro Mann. Sind private Wachdienstler also demnach 8-mal so gut ausgebildet und kompetent wie unsere Polizisten? Ich wage es zu bezweifeln.

Und wenn es wirklich um solche Summen geht, dann unterstelle ich, dass der nahezu mittellose Jugendhausclub endgültig in die Enge und ins Aus getrieben werden soll. Eine Schmach und Schande für das Gebaren der Stadt Stuttgart.

2005-09-05

Zeitrafferfilm der Linie 15

Der 15er saust durch den Wald
Ein GT4 Zug der Linie 15 trifft auf der Endhaltestelle Ruhbank ein. Die Saugnapfhalterung wird an der Windschutzscheibe befestigt. Die Kamera mittels Timer aktiviert. Sie schießt alle 2 Sekunden ein Bild. Zwischendurch müssen Speicher und Akkus gewechselt werden. Was leider zu 4 kleinen Aussetzern und kurzen Pausen im Film führen wird. Dennoch: die hochauflösenden Bilder im Format 2048 x 1360 Pixel zeigen enorm viel mehr Details als eine Videokamera (PAL: 720 x 576 Pixel) - und das verwendete 8mm Fisheye Objektiv dazu eine sehr außergewöhnliche Perspektive auf die Strecke zwischen Stammheim und Ruhbank am Fernsehturm. Ein Stück Stuttgarter Straßenbahngeschichte! ... Der fertige Film wird auf DVD veröffentlicht und enthält auch eine Best-of Bilder Galerie. Eine verkleinerte Vorabversion ist zu sehen auf circulus.de/leistungen.

2005-10-02

Milliardenfieber

Lecker Torte
Ein Werbespot der Quelle und DHL mit den Gottschalk Brüdern Thomas und Christoph und Günther Jauch. Die Kulisse: ein vollautomatisiertes Paketauslieferungslager, möglicherweise das tatsächliche Lager des Versandhauses Quelle. Unzählige Pakete sausen auf einem Fließband vorbei. Jauch macht den Eindruck als zähle er die Pakete und die Gottschalks labern. Worum in aller Welt geht es hier eigentlich? Um eine Milliarde Gewissensbisse durch den Gewinn einer Reise ins Hotel Sacher in Wien. Gewissensbisse weil man dort zuviel leckeren Kuchen essen könnte.

Aber warum eine Milliarde? Das klärt sich erst durch eine Recherche im Web und durch die Pressemitteilung von DPWN (Deutsche Post World Net). Das Versandhaus Quelle hat ausgerechnet, dass es im letzten Quartal 2005 das milliardste Paket verschicken wird. Ach. Diese Berechnung würde mich echt mal interessieren! In welcher Zeit wurden die verschickt? Wie zählt man das? (Quelle wurde 1927 gegründet, da gab es noch keine Datenbanken). Naja, egal, der Herr Jauch (geb. 1956) hat das schon im Griff.

Jedenfalls: weil Quelle soviele Pakete (mit DHL) verschickt hat, gibt es »spannende Aktionen, fantastische Gewinne und starke Angebote«. Und deshalb sind »alle« im Milliardenfieber. Alle im Vorstand der Unternehmen wohlgemerkt, nicht alle Kunden. Denn die millionenteure Werbekampagne kann wohl kaum durch Gewinne an den Preisen wieder eingespielt werden. Das ist eine Image-Kampagne die einmal mehr der Selbstdarstellung dient.

Gut gezaehlt
Halten wir fest: eine menschenleere Versandmaschinerie (das Personal wurde weg rationalisiert) und drei fröhliche Fernsehpromis sollen dazu verleiten, noch mehr bei Quelle einzukaufen und noch mehr mit DHL zu verschicken. Vor allem die Deutsche Post hat tausende Mitarbeiter entlassen, tausende Briefkästen abgebaut und hunderte Filialen geschlossen. Jetzt will sie für über 5 Milliarden Euro die britische Firma Exel kaufen. Alles klar, hierher weht der Wind, Dr. Klaus Zumwinkel ist im Milliardenfieber! Denn wen sonst mag es wohl interessieren, wenn die gelbe deutsche Post zum weltweit größten Logistiker aufsteigt? Die Millionen deutschen Postkunden haben davon jedenfalls gar nichts!

Mein Wunsch: bitte nichts bei Quelle kaufen, es gibt genug Alternativen, vor allem den lokalen Einzelhandel. Und bitte nichts mit DHL verschicken, es gibt leider noch nicht genug aber so manche Alternative. Meine Hoffnung: dass die Unternehmen, die sich nur noch um den eigenen Profit kümmern und tausende Arbeitnehmer entlassen, irgendwann auch keine Käufer mehr für Ihre Produkte und Leistungen haben mögen.